Roleplay lebt von einer stillen Absprache: Wir alle tun so, als wäre die Welt echt. Dieses Kapitel beschreibt die vier Prinzipien, auf denen praktisch jeder seriöse RDR2-/RedM-Server aufbaut — damit die Illusion hält, wenn’s ernst wird. Dorfelite ist eine Streaming-Community, kein Spielserver — was hier steht, gilt also server-übergreifend. Wer von einem Server kommt, wird das meiste wiedererkennen. Wer neu ist, braucht zehn Minuten und hat danach die Hälfte aller Konflikte schon vermieden.

Die 4 Grundregeln auf einen Blick

Wenn du diese vier Sätze verstanden hast, bist du auf 90 % aller Server problemlos unterwegs. Der Rest ist Detailarbeit.

Nicht jeder Server spielt gleich

Dieselben vier Grundregeln gelten überall — aber wie streng sie ausgelegt werden, unterscheidet sich massiv. Bevor du dich auf einem Server einlebst, solltest du wissen, in welche Kategorie er fällt.

Casual- und Einsteiger-Server

Fehler werden erklärt, nicht bestraft. Metagaming kriegt erstmal eine Verwarnung, beim zweiten Mal ein Gespräch, beim dritten Mal vielleicht eine kurze Pause. Die Stimmung ist oft lockerer, das RP selbst manchmal weniger tief. Gut zum Lernen — und niemand muss sich Sorgen machen, dass eine unglückliche Stunde den Account kostet.

Standard-Server

Regeln werden moderiert und durchgesetzt, aber mit Augenmaß. Erster Verstoß = Verwarnung, wiederholter Verstoß = Strafe, grober Vorsatz = harte Konsequenz. Das Spielgefühl ist immersiver, die Erwartungen höher. Für die meisten Spieler der Sweet Spot.

Hardcore- oder Serious-RP-Server

Jeder Verstoß zählt. Bei manchen Servern führt ein einziges klares Powergaming oder RDM direkt zum permanenten Bann — Beschwerde aussichtslos. Häufig gibt es Whitelist-Bewerbungen, Charakter-Konzepte müssen eingereicht werden, und die Moderation liest im Zweifel Chat-Logs und Stream-VODs. Das RP dort ist oft herausragend gut, aber der Einstieg ist kein entspannter Sonntagnachmittag.

Praktische Faustregel

Schau dir vor dem ersten Connect das Regelwerk an. Fünf Seiten = Casual. Zwanzig Seiten mit Sanktionskatalog = Standard. Fünfzig Seiten mit Bewerbungsverfahren und Strafpunktesystem = Hardcore. Je dicker das Buch, desto weniger verzeiht der Server.

Wichtig: „Hardcore“ ist kein Qualitätsurteil, sondern eine Spielweise. Auf Casual-Servern entstehen genauso großartige Momente — sie sind nur leichter zu betreten. Such dir aus, was zu deiner aktuellen Erfahrung passt. Upgraden geht später immer.

Die Grundregeln im Detail

Was es ist. Metagaming heißt, Wissen zu nutzen, das dein Charakter nicht haben kann. Klassisch: Du liest im Discord, dass jemand einen Banküberfall plant — und dein Charakter ist plötzlich zufällig in der Nähe. Oder du siehst auf Twitch, dass der Stalker sich hinter der Scheune versteckt, und dein Charakter schaut aus heiterem Himmel genau dorthin.

Warum es bremst. Metagaming ist das, was Geschichten kaputtmacht. Die Spannung einer Szene entsteht daraus, dass niemand weiß, was der andere als Nächstes tut. Nimm diese Unsicherheit weg, bleibt nur noch Choreografie übrig.

Die einfache Regel. Trenne streng zwischen „Was weiß ich als Spieler?“ und „Was weiß mein Charakter?“. Alles, was nicht in einer In-Character-Szene passiert ist, existiert für deinen Charakter nicht.

Typische Grauzonen:

  • Streams schauen ist erlaubt. In-character darauf reagieren ist es nicht.
  • Dein Kumpel erzählt dir per Discord vom Überfall → dein Charakter war nicht dabei.
  • Auch der eigene Name auf einem Fahndungsplakat zählt erst, wenn dein Charakter ihn im Spiel gelesen hat.

Was es ist. Powergaming ist, wenn du in einer Szene Fakten schaffst, die der andere nicht ablehnen kann. „Ich schlage dir den Hut vom Kopf und breche dir dabei die Nase“ — der andere hat nie die Chance auszuweichen, es ist einfach passiert. Oder dein Charakter überlebt sechs Kugeln und reitet fröhlich weg, weil Verletzung unpraktisch wäre.

Warum es bremst. RP ist ein Dialog, kein Monolog. Wer andere um Reaktionsmöglichkeiten bringt, nimmt ihnen den Spielraum, der RP überhaupt erst interessant macht.

Die einfache Regel. Beschreibe den Versuch, nicht das Ergebnis. „Ich hole aus, um dir den Hut vom Kopf zu schlagen“ gibt deinem Gegenüber die Chance zu ducken, zu kontern oder den Hut fallen zu lassen. „Ich schlage dir den Hut vom Kopf“ nicht.

Typische Grauzonen:

  • Verletzungen müssen Konsequenzen haben. Wer drei Schüsse überlebt, humpelt danach — mindestens mental.
  • Dein Charakter ist nicht unverwundbar, nicht allwissend und nicht immun gegen Angst.
  • „Ich bin ausgebildeter Ex-Söldner mit Spezialtraining“ ist meistens Powergaming. Normale Menschen sind interessanter.

Was es ist. Mixing bezeichnet das Vermischen von In-Character- und Out-of-Character-Inhalten. Dein Charakter fragt mitten im RP nach dem Namen deines echten Hundes. Du erklärst der RP-Gruppe, dass du gleich Abendbrot essen musst, in der Stimme deines Charakters. Jemand schreibt „lol“ oder „gg“ in den Proximity-Chat.

Warum es bremst. Jedes OOC-Wort in einer IC-Szene durchsticht die Illusion. Für alle. Wer fünf Minuten gebraucht hat, um sich in die Stimmung reinzufinden, wird durch ein einziges „Moment, Paket ist da“ rausgerissen.

Die einfache Regel. OOC geht nur über den richtigen Kanal — je nach Server ein TeamSpeak-Raum, ein Discord-Channel oder ein spezielles Chat-Kürzel. Wenn ein Mitspieler wirklich ansprechbar sein muss (echter Notfall, Server-Problem), nutze den OOC-Kanal statt der IC-Szene.

Typische Grauzonen:

  • „Kurz AFK“ in die Runde zu sprechen ist verständlich, aber gewöhn dir an, es OOC zu kennzeichnen oder eine IC-Variante zu finden („Ich muss kurz raus, der Wallach wiehert so komisch“).
  • Reallife-Gerede im In-Game-Voice passiert allen. Die Frage ist, ob du es merkst und korrigierst.

Was es ist. Fairplay ist die Grundhaltung, mit der alles andere funktioniert: Du behandelst das RP-Erlebnis der anderen als genauso wichtig wie dein eigenes.

Warum es trägt. Die ersten drei Regeln sagen dir, was du nicht tun sollst. Fairplay sagt dir, wie du überhaupt mitspielen sollst. Ohne diese Grundhaltung wird aus jeder Interaktion ein Wettbewerb statt einer Geschichte.

Die einfache Regel. Frage dich vor jeder größeren Handlung: „Hat mein Gegenüber gerade Spaß — oder spiele ich nur gegen ihn?“

Was Fairplay in der Praxis heißt:

  • Gib anderen Raum zu reagieren, bevor du eskalierst.
  • Verlierst du eine Szene, verlier sie mit Haltung. Dein Charakter kann geschlagen werden, du nicht.
  • Wenn jemand sichtbar überfordert ist (neuer Spieler, unsichere Sprachausgabe), nimm Tempo raus.
  • Ein schlechter RP-Moment in einem Stream bleibt für Wochen. Ein guter RP-Moment auch.

Die goldenen Zusatzregeln

Vier zusätzliche Begriffe, die auf praktisch jedem Server existieren — mit anderen Namen, aber gleicher Bedeutung.

RDM — Random Deathmatch. Jemanden ohne RP-Grund töten. Verboten. Einer Szene muss ein Konflikt vorausgehen, der die Tötung plausibel macht. Ein „Hallo, Kugel im Kopf, tschüss“ ist kein Konflikt, das ist ein Shooter.

VDM — Vehicle Deathmatch. Mit dem Pferd oder der Kutsche reinrennen, um jemanden zu verletzen. Gleiches Prinzip wie RDM — ohne Anlass, ohne Eskalation, ohne RP.

Combat Logging. Während einer laufenden Konfliktszene das Spiel verlassen. Auch „schnell mal abstürzen“ aus Versehen. Wenn du in einer Situation bist, aus der dein Charakter nicht einfach weggehen kann, muss auch der Spieler dableiben.

New Life Rule (NLR). Nach dem Tod deines Charakters ist das, was zum Tod geführt hat, für ihn weg. Er erinnert sich nicht an den Täter, nicht an den Ort, nicht an das Motiv. Je nach Server gilt die Regel für ein paar Stunden oder für immer — check die Server-Regeln. Das Prinzip ist überall gleich.

Situationen, die jeder mal erlebt

Du weißt es — dein Charakter nicht. Reite nicht zufällig genau dort hin. Wenn du die Info nutzen willst, muss dein Charakter sie im Spiel erfahren haben: ein Tipp vom Sheriff, eine Spur im Matsch, ein Zeuge. Bis dahin ist die Kuh verschwunden, Punkt.

Dein Pferd ist kein Panzer. Wenn die Banditen realistisch nah dran sind, nimm den Treffer in Kauf, statt in vollem Galopp drei Schüsse auf den Rücken zu ignorieren. Die bessere Frage ist selten „Wie komme ich hier raus?“, sondern „Was macht diese Szene gerade für alle interessant?“.

Bleib in der Szene und spiel mit — im Nachgang meldest du sachlich über den offiziellen Kanal des Servers. Mitten im RP einen OOC-Streit zu starten, macht die Szene für alle Beteiligten kaputt und bringt dir nichts. Notiere dir Zeit, Ort und — wenn möglich — einen Screenshot oder Clip.

Genauso wie dein Charakter: langsam reinschauen, Stimmung lesen, Bar anfragen, nichts als selbstverständlich annehmen. Neue Orte sind Chancen, keine Prüfungen. Frag im OOC-Channel, falls du unsicher bist, was der Ort überhaupt darstellen soll.

Kurz eingestehen — im OOC-Kanal, nicht mitten in der Szene. „Sorry, das war Metagaming, ignorier den letzten Satz“ ist eine komplett akzeptable Ansage. Fehler sind erlaubt, Lügen nicht.

Du hast einen Verstoß erlebt?

Jeder RP-Server hat einen eigenen Meldeweg — wir betreiben selbst keinen Server und können dir deshalb keinen Kanal nennen. Das Vorgehen ist aber überall gleich:

Weiter geht’s

Kurz zu uns: Dorfelite ist eine Streaming-Community rund um RDR2-Roleplay — wir spielen auf verschiedenen Servern, betreiben aber selbst keinen. Dieses Regelwerk erklärt deshalb bewusst die Grundlagen, die überall gelten. Die konkreten Hausregeln findest du jeweils beim Server, auf dem du spielst.

Weiter im Guide

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